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Geschichte der SRK Erbendorf

Vereinsgeschichte

Aus der Geschichte der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Erbendorf:

Wie die Chronik berichtet, schlossen sich nach dem ruhmreichen Feldzug von 1870/71 in unserem Städtchen, wo noch der Bergbau in schönster Blüte stand, Männer zusammen, die Kriegsteilnehmer der Kriege von 1866 und 1870/71 waren. Sie gründeten am 10. November 1875 den damaligen Veteranen- und Kriegerverein.
Das Gründungslokal dürfte die damalige Gastwirtschaft Steinhauser (Rotes Roß) gewesen sein, da diese Gastwirtschaft noch einige Male als Vereinslokal bezeichnet wird. Außer 38 aktiven Gründungsmitgliedern wird als Gründungsvorstand Leonhard Trötsch, Strumpfwirker in Erbendorf genannt.
Im Inventarverzeichnis aus dem Jahre 1875 sind unter anderen Requisiten auch vier Hinterlader, eine Anzahl Scheiben und 500 fertige Patronen sowie zwei Patronenformer angeführt.

Der Schießsport dürfte nach den Aufzeichnungen in den 70er und 80er Jahren eine sehr große Rolle gespielt haben. So fand am 2. August 1879 ein Preisschießen bei der Patterlhütte, Gemeinde Altenstadt, statt. Ein großer Festzug mit Musik bewegte sich von Erbendorf zur Paterlhütte. Punkt 2 Uhr (14 Uhr) durfte der erste Schuß abgefeuert werden und Punkt 8 Uhr (19.30 Uhr) mußte der letzte Schuß verhalft sein. Diese Vorschriften waren in den Bestimmungen des Preisschießens verankert. Jedes Mitglied mußte gegen Bezahlung 10 Patronen fassen und war verpflichtet, diese Patronen auch selbst zu verfeuern.
Für die drei besten Schüsse wurden Preisfahnen verteilt. Den Abschluß des Preisschießens bildete ein musikalischer Abend im Gasthof „Zur Post",
ausgeführt von der Stadtkapelle Erbendorf unter Musikmeister Kappl. Die Unkosten des Abends wurden der Vereinskasse aufgebürdet. Nach den Aufzeichnungen verstand es der Verein meisterhaft, Feste wie Christbaumverlosungen, Faschingsunterhaltungen oder Geburts- und Namenstage Seiner Majestät des Königs von Bayern zu feiern. Anläßlich einer Weihnachtsfeier mit Verlosung wurde am 28. Dezember 1884 mit einem Betrag von 54 Mark der Grundstock für die Anschaffung einer Vereinsfahne gelegt. 1882 wurde der damalige Veteranen- und Kriegerverein Erbendorf in den Kampfgenossenbund München aufgenommen. Am Abend des 28. Dezember wurde die Aufnahmeurkunde dem Verein ausgehändigt und dem Glasermeister Kammerer zur Verglasung und Einrahmung zum Preis von 2 Mark übergeben.
Leider konnte diese Aufnahmeurkunde in den alten Akten nicht mehr gefunden werden. Schon im Jahr 1883 und in den nächsten Jahrzehnten erhielten bedürftige Mitglieder Unterstützungen vom Kampfgenossenbund München ausbezahlt. Nachdem in den letzten Jahren mehrere Beträge gestiftet wurden, wurde in der Versammlung vom 9. März 1885 die Anschaffung einer Kriegervereinsfahne beschlossen. In der Versammlung vom 28. März 1885 wurden folgende
Beschlüsse gefaßt:
Die Anfertigung der Vereinsfahne wird dem Kloster Waldsassen übertragen.
Nach Rücksprache mit dem Kloster wird die Fahne in ungefähr drei Monaten geliefert.
Um die Kosten für die Vereinsfahne decken zu können, wird in Erbendorf und Umgebung eine Sammlung durchgeführt.
Die Sammler wurden von der Versammlung bestimmt.

 

Für das Fest der bevorstehenden Fahnenweihe wurde als Festleite- der Bäckermeister Karl Schraml bestimmt, und als Fest-Komitee wurden ihm 10 Mann beigegeben. Mit der Anfertigung von einheitlichen Mützen für das bevorstehende Fest der Fahnenweihe wurde der Schneidermeister Bogner von Erbendorf bestimmt und darf das Stück mit 2 Mark in Rechnung stellen. Nach einigen Wochen trat nun das Fest-Komitee unter Vorsitz von Festleiter Karl Schraml zusammen (leider ist hier kein Datum genannt), um Beschlüsse für die Durchführung des Festes der Fahnenweihe des Veteranen- und Kriegervereins zu tätigen.
Hier wurde beschlossen, daß das Fest der Fahnenweihe am 2. August 1885 stattfindet. Eine Menge Beschlüsse wurden gefaßt, welche die Durchführung der Fahnenweihe betrafen.
2. August 1885, Tag der Fahnenweihe des Veteranen- und Kriegervereins Erbendorf.
Alle Vorbereitungen zum Gelingen des Festes durch die Bevölkerung von Erbendorf waren äußerst zufriedenstellend.  Wie die Chronik berichtet, glich Erbendorf einen Lustgarten, als am Morgen des 2. August 1885, 4 Uhr, die ersten Böllersalven die Bedeutung diese Tages ankündigten. Um 11 Uhr begleiteten 19 Fahnen mit 3 Musikkorps die zu weihende Vereinsfahne zum Feldaltar auf dem Marktplatz, wo H. H. Stadtpfarrer Meier eine Feldmesse zelebrierte und der neuen Fahne die Weihe gab. Nach einer markanten Ansprache von H. H. Stadtpfarrer Meier vom Altar aus an die Krieger schloß sich nun H. Stadtpfarrer Grug mit dem Weiheakt für die evangelische Kirche an. Als Patenverein fungierte der Veteranen- und Kriegerverein Tirschenreuth und überreichte seinem Patenkind ein Erinnerungsband. Der Prolog hierzu ist an einer anderen Stelle dieser Festschrift abgedruckt. In sehr gediegener Weise trug Frl. Kost den Festprolog vor, und überreichte einen Lorbeerkranz. Nun folgte die prächtig verfaßte Festrede von Dr. Mühe. Diese Rede konnte aber nicht mehr ihr Ende finden, da ein hereinbrechender Gewittersturm die festliche Kundgebung auflöste.
Um 2 Uhr fand ein Festzug statt, nachdem der Himmel wieder seine Schleier gelüftet hatte, und man konnte sich am Nachmittag bei gutem Bier und den herrlichen Klängen der Musik auf dem Festplatz aufhalten. Nachdem um 8 Uhr fast alle Vereine verabschiedet waren, marschierte man mit dem Patenverein und dem Gesangverein Erbendorf (3 Fahnen) unter den Klängen der Musik zum Vereinslokal Steinhauser (Rotes Roß), wo nun der Festball seinen Anfang nahm.
Der Festball war von Tanzlustigen stark besucht. Am nächsten Morgen, 8 Uhr, wurde der Patenverein Tirschenreuth ins Bauersche Bräuhaus geleitet, wo gemeinsam der Frühschoppen eingenommen wurde. Am Nachmittag fand eine Nachfeier der Vereinsmitglieder am Festplatz für die Mühen des vorhergehenden Tages statt, und
abends durch die gütige Erlaubnis des Herrn Bürgermeister Lochner von Altenstadt ein Tanzkränzchen, abgehalten auf der Hetsche. So verliefen die festlichen Tage der Fahnenweihe des Veteranen- und Kriegervereins Erbendorf in Gemütlichkeit und Eintracht.
Mögen sie segenbringend sein für Gegenwart und Zukunft und den Wahlspruch der Veteranen bestätigen.

„In Treue fest"
Für Gott, für König und Vaterland.

In den folgenden Jahrzehnten war der Verein der Sammelpunkt kameradschaftlicher und gesellschaftlicher Zusammenkünfte ohne größere Ereignisse, doch in bester harmonischer Einheit. Es dürfte hier wohl der Weltkrieg 1914/18 und die Nachkriegszeit mit eine große Rolle gespielt haben. Im Jahre 1925 rüstete sich der Verein, sein 50jähriges Bestehen und zugleich eine zweite Fahnenweihe abzuhalten. Warum man eigentlich seinerzeit eine zweite Fahnenweihe abgehalten hat, konnte aus den alten Niederschriften nicht ersehen werden.
Am 27., 28. und 29. Juni 1925 wurde das 50jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe ebenso prunkvoll wie das Fest der ersten Fahnenweihe 1885 (in dieser Festschrift wurde schon ausführlich darüber berichtet) gefeiert. Es wurde wieder alles aufgeboten, um dem Fest eine würdige Gestaltung zu geben, was auch nach den Aufzeichnungen gelungen sein dürfte. Die nachfolgenden Jahre waren mehr oder weniger der Errichtung eines Kriegerdenkmals für die Gefallenen des Weltkrieges 1914/18 gewidmet. Nach den Aufzeichnungen war es nicht so einfach, einen geeigneten Platz in Erbendorf zu finden. Es war schon einmal der Kühstein ins Auge gefaßt, bis man sich entschließen konnte, den Platz zu bestimmen, auf welchem heute das Kriegerdenkmal steht.
Nicht weniger Schwierigkeiten bereitete auch das Denkmal selbst, bis man zum Entschluß kam, eine Granitfigur, den Stein unserer Heimat, zu wählen. Es war ein großes Stück Arbeit, bis das Granit- und Syenitwerk Friedenfels mit der Anfertigung dieser Granitfigur beauftragt werden konnte. In einer Ausschußsitzung vom 2. April 1930 wird berichtet, daß das Granit- und Syenitwerk Friedenfels den Auftrag des Denkmals bestätigt, und im Protokoll der Ausschußsitzung vom 16. Mai 1930 ist folgendes zu lesen:
„Nach telefonischer Mitteilung wird der eingesandte Bauplan des zur Aufstellung gelangenden Kriegerdenkmals von seiten des Bezirksamtes Kemnath auf Grund des Gutachtens durch das Landesbauamt Amberg nicht genehmigt.
Das Granit-und Syenitwerk Friedenfels ist von obigem Beschluß in Kenntnis zu setzen."
Nun wurden alle Persönlichkeiten in Bewegung gesetzt, bis endlich am 6. Juni 1930 der Bauplan genehmigt und dem Baumeister Hans Hösl die Aufstellung des Denkmals übergeben werden konnte.  Die Änderungen des Denkmals, welche vom Landesbauamt Amberg vorgenommen wurden, werden sofort an die Granit- und Syenitwerke weitergegeben. Zugleich möchte Friedenfels den Platz besichtigten, worauf des Denkmal zu stehen kommt. Als Tag der Einweihung wurde der Sonntag, 31.August 1930, festgesetzt.
Die Finanzierung des Denkmals, welche sich laut Aufzeichnungen mit Aufstellung auf rund 5.000 RM belief, wurde durch Zuschuß von seiten der Stadtgemeinde Erbendorf und freiwilligen Spenden von seiten der Erbendorfer Bevölkerung aufgebracht. Die Vorbereitungen, die zur Einweihung des Kriegerdenkmals notwendig waren, wurden bis auf das Kleinste ausgearbeitet, und der seinerzeitigen Vorstandschaft unter Leitung des Vorstandes Tretter dürfte volles Lob ausgesprochen werden.
Sonntag, den 31. August 1930. Dieser Tag dürfte wohl ein Höhepunkt in der Geschichte des Veteranen- und Kriegervereins Erbendorf sein. Daß dieser Tag für manche Familien unserer Heimatstadt Erbendorf ein schwerer Tag war, läßt sich denken. Die vernarbten Wunden ihrer im Weltkrieg 1914118 gefallenen Angehörigen, deren Namen nun in diesem Denkmal eingemeißelt sind, bluteten von neuem. Zur Einweihung selbst ist zu berichten, daß am Vorabend, Samstag 30. August, sich bereits die Heimatvereine München und Nürnberg eingefunden hatten. Am Samstag war ein geselliger Abend im Vereinslokal „Frühlingsgarten°, wo Herr Dr. Wimmer als 2. Vorstand des Vereins die Gäste begrüßte.
Herr Kreisobmann Grämer überreichte den Kameraden Ernst Rittinger und Christian Lehner aus Siegritz das Bundeskreuz und dem 1. Vorstand, Herrn Ernst Tretter, das Ehrenkreuz für 25jährige Mitgliedschaft. Anschließend hielten Herr Direktor Schultes sowie Herr Reichenberger aus München eine ergreifende Rede. Der Verein Nürnberg und Umgebung, vertreten durch Herrn Johann Dötterl, Fürth, hielt ebenfalls eine zu Herzen gehende Rede und überreichte eine Sparbüchse in Gestalt eines Nürnberger Turmes mit dem Inhalt von 100,05 RM als Spende für das Kriegerdenkmal. Am Sonntag, den 31. August 1930, früh 5 Uhr, Weckruf durch die Straßen der Stadt.
Ab 8 Uhr Empfang der auswärtigen Vereine, 9 Uhr Kirchenzug zum protestantischen Gottesdienst. Herr Stadtpfarrer Glaser hielt eine ergreifende Rede zum Gedächtnis der Gefallenen, die zugleich seine Abschiedspredigt war, da er nach Bayreuth versetzt wurde. Nach dem Gottesdienst wurden weitere Vereine empfangen.
Um 11 Uhr bewegte sich der Kirchenzug zum katholischen Gottesdienst. Hochwürdiger Herr Stadtpfarrer Heigl
zelebrierte eine Heilige Messe und die Kapelle Wurdack umrahmte dieselbe mit erhebenden Weisen. Die Predigt in der Kirche fiel aus und wurde beim Weiheakt am Kriegerdenkmal gehalten. Nach dem Gottesdienst begab man sich zum, Kriegerdenkmal, wo die Fahnen aller Vereine ein Spalier bildeten. Nach einem Musikstück sang der Gesangverein Erbendorf einen Männerchor. Der Prolog wurde von Ehrenjungfrau Theres Bollmann gesprochen. Herr Dr. Wimmer als 2. Vorstand hielt eine kurze Festansprache, worauf er die Enthüllung des Denkmals vornahm. Die Kapelle Wurdack setzte mit dem Lied vom guten Kameraden ein. Hierauf ersuchte Dr. WimmerHochwürdigen Herrn Stadtpfarrer Heigl dem Denkmal die kirchliche Weihe zu geben. Der Stadtpfarrer hielt eine
längere ergeifende Ansprache über das Thema „Was spricht der Feldgraue". In dieser Ansprache wird berichtet, daß so manche Träne über die Wangen rollte und das härteste Herz weich wurde. Nach der Ansprache erteilte er dem Denkmal die kirchliche Weihe, Anschließend sprach Herr Stadtpfarrer Glaser die Segensgebete
der evangelischen Kirche und legte nach einer Ansprache im Auftrag der Kirchengemeinde einen Kranz nieder. Nun folgten kurze Ansprachen mit Kranzniederlegungen durch Herrn Oberamtmann Dr. Seefried, Vertreter des Bezirksamtes Kemnath, Herrn Kreisobmann Grämer aus Nabburg im Namen des Bayerischen Kriegerbundes;
er war mit einer Abordnung und Kreisfahne anwesend. Hierauf ergriff 1. Vorstand Tretter das Wort und legte im Namen des Veteranen- und Kriegervereins nach einer Ansprache einen Kranz nieder. Anschließend übergab er das Denkmal dem besonderen Schutz und Obhut des Stadtrats von Erbendorf. Hierauf sprach Herr Bürgermeister Mössbauer im Auftrag der Stadt Erbendorf markante Worte und übernahm das Denkmal in den besonderen Schutz der Stadtverwaltung Erbendorf. Einen besonders schönen Kranz legte er im Namen der Stadt Erbendorf für die gefallenen Söhne aus dem Weltkrieg 1914118, zu deren Ehren und Gedenken dieses Denkmal errichtet wurde, nieder.
Weitere Kranzniederlegungen folgten:

Herr Direktor Schultes für den Verein Erbendorf und Umgebung in München;
Herr Hans Bauer für den Verein Erbendorf und Umgebung in Nürnberg;
Herr Schiffmann als Vorstand des Turnvereins Erbendorf;
Herr Josef Reichold als Vorstand des Gesangvereins Erbendorf;
Herr Karl Schraml als Senior des Gesellenvereins;
Herr Hans Rittinger im Namen seiner Geschwister für die gefallenen Brüder lsidor und Georg Rittinger. Ferner wurde noch ein Kranz für den Verein der Kriegsbeschädigten niedergelegt. Ein Lied des Gesangvereins und ein Musikstück der Kapelle Wurdack schlossen die Enthüllungsfeier des Kriegerdenkmals ab.
Um 15 Uhr wurde ein Festzug durch die überaus schön geschmückte Stadt veranstaltet. Die Festzugsteilnehmer wurden von fast allen Fenstern aus mit Blumen beworfen, und es herrschte eine überaus große Freude über das schöne errichtete Denkmal für die Gefallenen des Weltkrieges 1914/1918.
Nach dem Festzug versammelte man sich im Garten der Turnhalle zum kameradschaftlichen Beisammensein. Die drei anwesenden ließen abwechselnd bis spät in die Nacht hinein ihre fröhlichen Weisen erschallen.
Durch Anbringung von elektrischen Lampen durch Herrn Heinrich Fleischmann wurde das Denkmal in den folgenden Tagen beleuchtet und von der Bevölkerung zahlreich besucht und bewundert. Bis zum Jahr 1933 anläßlich der Machtergreifung durch die NSDAP sind keine wesentlichen Ereignisse zu Besonders erwähnt ist bei den Aufzeichnungen die mustergültige Betreuung des Kriegerdenkmals durch die Familien Klöbe und Götzl, denen besonderer Dank gebührt.
Nach der Machtübernahme des Dritten Reiches wurden alle Vereine gleichgeschaltet. So wurde auch die Bezeichnung Veteranen- und Kriegerverein geändert und der Verein dem Kyffhäuser-Bund angeschlossen. Er erhielt die Bezeichnung Soldaten- und Kriegerkameradschaft, weil die Bezeichnung Verein nicht mehr angängig war. Die Vorstandschaft durfte ausnahmsweise bei der Gleichschaltung belassen werden, da als 2. Vorstand ein Träger des Goldenen Parteiabzeichens der NSDAP fungierte. Bei der Generalversammlung am 18.Februar 1934 traten von 30 anwesenden Kameraden 20 zur SARG über. Bei Anlässen wie Kriegergedächtnistagen,
usw. mußte von katholischen sowie von evangelischen Gottesdiensten abgesehen werden; es durften nur mehr weltliche Feiern abgehalten werden. Leider muß auch festgestellt werden, daß wahrscheinlich wegen der Gleichschaltung durch das Dritte Reich die seit 1887 bestehende Sterbekasse des Veteranen- und Kriegervereins Erbendorf am 4.November 1934 aufgelöst wurde. Aus den Aufzeichnungen der Jahre 1934/35 ist zu entnehmen, daß sich die alten Vorstandsmitglieder, welche bei der Gleichschaltung geblieben waren, sich allmählich zurückzogen und eine ganz neue Vorstandschaft fungierte. Das Wort Vorstand wurde nicht mehr verwendet - es gab nur einen Kameradschaftsführer. Der Wahlspruch    „in Treue fest' verschwand; es gab nur mehr den Gruß „Heil Hitler".
Im Jahre 1935 versiegten dann auch alle Aufzeichnungen. Aus der letzten Aufzeichnung kann noch entnommen werden, daß die Ernennung eines Propagandawartes abgelehnt wurde. Der Verein dürfte nach den damaligen Verhältnissen geruht haben, da ja schon im Jahre 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach. Nach Beendigung des Krieges im Jahre 1945 hatten wir eine Besatzungsmacht, hier waren Soldaten- und Kriegervereine nicht erwünscht, da sie als gefährlich angesehen wurden. Durch mündliche Überlieferung haben sich aber bereits im Jahr 1950 Kriegskameraden gefunden, welche wieder an eine Belebung der Soldaten- und Kriegerkameradschaft dachten. An ihrer Spitze stand der spätere Ehrenvorstand Herr Hans Nikol, Hauptmann a. D., der sich unermüdlich für die Belange zur Wiedergründung des Vereins einsetzte. Im Jahr 1953, als uns die Besatzungsmacht wieder etwas Vertrauen entgegenbrachte, sammelte der Schneidermeister und Kaufmann Hans Müller, Erbendorf, unter Vorsitz von Herrn Hans Nikol die Kameraden der beiden Weltkriege zu einer Aussprache, um die Soldaten und Kriegerkameradschaft Erbendorf wieder ins Leben zu rufen.
Am 14. März 1954 lud nun Schneidermeister und Kaufmann Hans Müller im Auftrag von Hans Nikol zu einer Versammlung in das „Rote Roß" ein, die eigentlich eine Wiedergründungsversammlung werden sollte. Leider blieb aber der erhoffte Erfolg aus, und es wurde am 10. April 1954 abermals zu einer Versammlung eingeladen. Zu dieser Versammlung erschienen 20 ehemalige Kriegskameraden, welche Herr Nikol bei der Eröffnung der Versammlung auf das herzlichste begrüßte. Nach allgemeiner Aussprache war man sich einig, den Soldaten- und Kriegerverein wieder ins Leben zu rufen. Die Versammlung bestimmte einen Wahlausschuß, welcher der Versammlung eine Vorstandschaft geben sollte. Herr Hans Nikol wurde als 1. Vorsitzender vorgeschlagen, der aber aus beruflichen Gründen entschieden ablehnte.

Das Wahlergebnis hatte folgendes Resultat:
1. Vorstand: Kamerad Hans Müller,
2. Vorstand: Kamerad Sebastian Schmidt,
Schriftführer: Kamerad Simon Stock,
Kassier: Franz Liedl.
Als Beisitzer wurden die Kameraden Georg Bauer, Christian Wick, Hans Trastl und Anton Walbrunn
durch Zuruf bestimmt.
Als Fähnrich wurde der Kamerad Christian Mentner, Patterlhütte bestimmt.
Durch Beschluß der Wiedergründungsversammlung soll der Name Soldaten- und Kriegerkameradschaft Erbendorf beibehalten werden. Der Monatsbeitrag wurde auf 0,50 DM festgesetzt. Um der Kasse einen Grundstock zu geben, wurde beiden anwesenden Kameraden gesammelt, was 15,50 DM einbrachte. Die Zahl der Kameraden, welche sich bei der Wiedergründung zur Kameradschaft bekannten, betrug 54. Nachdem nun Herr Hans Nikol den 1. Vorsitz der wiedergegründeten Soldaten- und Kriegerkameradschaft abgelehnt hatte, war man sich einig, in dankbarer Anerkennung für die viele Kleinarbeit, die er bis zur Wiedergründung der Kameradschaft leistete, ihn zum Ehrenvorstand zu ernennen, was von der Versammlung einstimmig beschlossen wurde. In den folgenden Jahren wurden Geselligkeit und Kameradschaft gepflegt, und so kam man des öfteren auch auf die Abhaltung des 80jährigen Gründungsfestes zu sprechen. In einer verstärkten Ausschußsitzung am 12. Januar 1958 wurde der Beschluß gefaßt, am 12.und 13.Juli 1958 das 80jährige Gründungsfest zu halten, auch wenn der Termin dafür bereits 1955 gewesen wäre. Nach allen Vorbereitungen verlief auch dieses Fest unter der Schirmherrschaft von Major a. D. Fritz Hamm wieder auf das Vortrefflichste.
Der Vorstand Hans Müller verstand es, dem Fest den Charakter echter solidarischer Kameradschaft zu verleihen.  Das Fest konnte als voller Erfolg für die Soldaten- und Kriegerkameradschaft gewertet werden. Die folgenden Jahre verliefen wieder in echter kameradschaftlicher Atmosphäre bis am 19. April 1961 der 1. Vorsitzende nach längerer Krankheit verstarb. Als Nachfolger wurde Richard Seltmann, Prokurist und Major a. D., gewählt. Nach zweijähriger Amtszeit als 1. Vorsitzender legte Kamerad Seltmann wegen Arbeitsüberhäufung sein Amt nieder. in der Generalversammlung am 24. März 1963 wurde der Kamerad Seitz zum Vorsitzenden der Kameradschaft gewählt. Kamerad Seitz nahm die Wahl an und man war sich bewußt, daß mit dieser Wahl die Führung der Kameradschaft in gute Hände gelegt wurde.
In den kommenden Jahren nahm das Vereinsleben unter den rührigen Vorsitz des Kameraden Seitz einen sichtlichen Aufschwung. Für die gefallenen Kameraden des Zweiten Weltkrieges wurde auf dem Friedhof eine Gedächtniskapelle errichtet und anlässlich des Volkstrauertags am 14 November 1965 durch H.H. Stadtpfarrer Bertelshofer eingeweiht. Die Pflege der Kapelle hat die Soldaten- und Kriegerkameradschaft übernommen.
In der Generalversammlung am 28. März 1965 wurde einstimmig beschlossen, das 90jährige Gründungsfest im Jahre 1966 zu feiern. die Vorbereitungen und die Durchführung des Festes wurde in die Hände der Vorstandschaft unter dem sehr aktiven Vorsitzenden Kameraden Seitz gelegt. In der Ausschußsitzung vom
15. Oktober 1965 wurde der endgültige Termin des festes, 11., 12. und 13. Juni 1966, festgelegt. Ein Festprogramm wurde umgehend erstellt und der Versand der Einladungen an alle Vereine im Umkreis von 30 bis 40 Kilometer mußte bis Jahresende abgeschlossen sein. Als Festmusik wurde die Kapelle Wurdack
verpflichtet. Das Festzeit wurde von der Schloßbrauerei Friedenfels gemietet und unter anderem hielt man auch Ausschau nach einem Schirmherrn. In einer Versammlung am 9. Januar 1966 konnte der 1. Vorsitzende Kamerad Seitz berichten, daß sich als Schirmherr für unser fest ein Sohn unserer Stadt, Herr
Direktor Ludwig Meister, Hauptmann a.D. und Ritterkreuzträger (Stuttgart), zur Verfügung gestellt hat. Weiter konnte Kamerad Seitz berichten, daß alle
Vorbereitungen planmäßig verlaufen.

 

 
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